Geschichte

Geographie

Das Dorf liegt inmitten der Berge und der Kurorte Davos, St. Moritz, Savognin und Lenzerheide und befindet sich auf der rechten Talseite oberhalb der Albula. Zu Filisur gehört auch noch der Weiler Jenisberg (1504 m ü.M) am linken Abhang des Landwassertals, ein ehemaliges kleines Walserdorf.

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung

Um das Jahr 1800 zählte man 164 Einwohner. Die Einwohnerzahl entwickelte sich mit den Jahren langsam, um 1850 waren es bereits 280. Dies blieb bis zum Bahnbau um die Jahrhundertwende ziemlich konstant. Der Bau der Albulalinie brachte dann Arbeiter ins Dorf und es wurden zwischenzeitlich bis zu 644 Bewohner gezählt. Nach dem grossen Bau pendelte sich dann die Zahl bei 333 ein. Nach den Weltkriegen und der Modernisierung entwickelte sich auch das Dorf langsam und 1990 zählte man in Filisur bereits 413 Einwohner. Ende 2006 wurden 487 Einwohner gezählt.

Sprachen

In der Gemeinde sprach man ursprünglich einen rätoromanischen Dialekt, wobei das Oberengadiner Romanisch als Schriftsprache diente. Doch bereits im 19. Jahrhundert erfolgte der Sprachwechsel zum Deutschen. Dennoch hielt sich bis zur Zeit vor dem Ersten Weltkrieg eine grössere romanischsprachige Bevölkerungsminderheit. 1880 sprachen noch 36,5 %, 1910 noch 21,92 % Rätoromanisch. Bei der Volkszählung 1941 gaben nur noch 10,7 % der Bewohner Romanisch als ihre Muttersprache an. Die Gemeinde ist heute beinahe vollständig eingedeutscht. Bloss noch 7,3 % der Einwohnerschaft verstehen Romanisch. Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte zeigt folgende Tabelle:

Sprachen in Filisur Sprachen Volkszählung 1980 Volkszählung 1990 Volkszählung 2000
Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil
Deutsch 339 82,68% 357 86,44% 394 84,55%
Rätoromanisch 20 4,88% 14 3,39% 14 3,00%
Italienisch 31 7,56% 19 4,60% 31 6,65%
Einwohner 410 100% 413 100% 466 100%

Staatsangehörigkeit

Von den 487 Bewohnern (Ende 2005) waren 428 (= 88 %) Schweizer Staatsangehörige.

Geschichte

In Filisur gab es bereits erste Siedlungen in der Bronzezeit. Dies belegen bronzezeitliche Fragmente, die gefunden wurden. Doch der Name Filisur selbst wird erstmals im Jahre 1262 als villa Fallisour erwähnt. Die Burg Greifenstein oberhalb Filisur war zunächst Sitz der Herren von Greifenstein, eines hochadligen Bündner Geschlechts aus dem 13. Jahrhundert. Später war die Burg Sitz der bischöflichen Vögte mit Höfen im Dorfbereich.

Über die Herren Wildenberger, Werdenberger und Matscher gelangte die Herrschaft Greifenstein 1394 an das Bistum Chur, das die Burg zum Verwaltungszentrum der Region machte. Das obere Albulatal wurde dann im Hochmittelalter von den Rätoromanen besiedelt. Das Maiensäsgebiet von Jenisberg wurde im 15. Jahrhundert von deutschsprachigen Walsern besiedelt. Kirchlich gehörte Filisur bis im Jahre 1496 zu Bergün. Die Kirche St. Jodocus und Florinus war 1495 fertiggestellt und von da an hatte man auch eine Kirche im Dorf. 1537 kaufte sich die Gemeinde von den bischöflichen Herrschaftsrechten frei. Um das Jahr 1590 trat die Gemeinde zum reformierten Glauben über. Die Nachbarschaft Filisur besass ein eigenes Zivilgericht in der Gemeinde Bergün bis 1851.

Da die Gegend wasser- und waldreich war, entwickelte sich hier das Zentrum des Erzabbaus, bzw. der Eisen- und Erzschmelze der Region. Seit 1565 wurden hier Hochöfen der Eisen- und Zinkverarbeitung nahe Filisur an der Albula betrieben, ohne Kraftfahrzeuge! Vom Leben der über 100 Arbeiter blieben hier nur spärliche Zeugnisse übrig, da 1848 der Erzabbau und die Verhüttung aufgegeben wurde. Das Zentrum dieser Epoche war die Schmelze bei der Bellaluna, wo noch Reste des Knappen-, sowie das Direktionshaus stehen.

Lange Zeit lebte man im Dorf von Viehwirtschaft und Ackerbau. Als zwischen 1855 und 1858|58 der Ausbau der Albulastrasse erfolgte, konnte man als weitere Verdienstmöglichkeit auch vom Durchgangsverkehr profitieren. Filisur ist ein Strassendorf. Durch den Bau der Rhätischen Bahn zwischen 1898 und 1909 ins Engadin und nach Davos wurde Filisur zu einem Verkehrsknotenpunkt.

Filisur wurde bis Ende des 19. Jahrhunderts weitgehend germanisiert. 1914 wurde Deutsch zur Hauptsprache der Menschen in Filisur und löste damit das Romanische ab. Auch heute noch, ein halbes Jahrhundert später, sprechen einige ältere Einwohner noch das „Filisurer Romanisch” untereinander.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Das Dorf mit seinen Häusern im Engadiner Baustil ist ein Strassendorf von nationaler Bedeutung.

Nördlich des Dorfes überquert die Albulabahn den berühmten Landwasserviadukt, der den gleichnamigen Bach überspannt. Der 65 Meter hohe Viadukt mündet mit einem Radius von 100 Metern direkt in einen Tunnel.

Im Juli 2008 wurde die Albulalinie in die Liste des Unesco Weltkulturerbes aufgenommen. Das Landwasserviadukt zählt zu den Höhepunkten des Unesco Weltkulturerbes der Rhätischen Bahn. Das historische Bauwerk ist ganzjährig bis jeweils Mitternacht beleuchtet.

Filisur liegt mitten im Parc Ela, dem grössten Naturpark der Schweiz in einer vielseitigen Landschaft um die Alpenpässe Albula, Julier und Septimer. 19 Parkgemeinden arbeiten gemeinsam daran, die regionale Wirtschaft zu stärken, die Natur und Landschaft zu schützen und das kulturelle Erbe zu bewahren.

Filisur verfügt über unzählige BAW-beschilderte Wanderwege. Als Beispiel sei die Via Romantica nach Jenisberg, einer ganzjährig bewohnten Walsersiedlung, erwähnt. Für Familien mit Kinderwagen sei unser Spazierpark rund ums Dorf empfohlen.

Im Winter stehen fünf Winterwanderwege zum Begehen offen. Auf unserer Langlaufloipe (Klassisch und Skating) können die Schlaufen Solis, Zinols und Alvaneu Bad sowie die Aelpli-Runde entdeckt werden. Der Nachloipenrundkurs ist täglich bis 23.00 Uhr beleuchtet.

1952 bis 1954 wurde auf der Filisurer Alp Falein (und Bergün und Latsch) der erste und bekannte Heidifilm gedreht mit Heinrich Gretler als Alpöhi, Elsbeth Siegmund als Heidi und Thomas Klameth als Geissenpeter. Die Heidihütte welche für den Film benutzt wurde, steht heute noch und kann durch einen 2004 zum 50-Jahr-Jubiläum erstellten Heidi-Wanderweg von Bergün nach Filisur besucht werden. Die Tafeln mit Infos zum legendären Film werden im 2015 erneuert.

Oberhalb des Dorfes liegt die Ruine der Burg Greifenstein.

Im Dorf sind mehrere Kunstschaffende ansässig und es besteht eine öffentliche Galerie. In der Gemeindekanzlei befindet sich die Ausstellung Kunst in der Kanzlei, wo einheimische Künstler ihre Werke ausstellen.

Wirtschaft und Verkehr

Seit 1960 ist die Albula-Landwasser Kraftwerke AG (ALK) in Filisur beheimatet.

Seit 1903 ist Filisur Bahnhof der Albulabahn und seit 1909 Abzweigstation der tunnelreichen Strecke nach Davos. Im Juli 2006 wurde eine Umfahrungstrasse zur Entlastung des Dorfkerns eröffnet. Ebenfalls ab dem Jahr 2003 wurde der Bahnhof Filisur generalüberholt. Die Anzahl Geleise wurde von 5 auf 4 verringert, dadurch gab es neuen Platz für ein grosses Mittelperron. Zudem wurde eine Fussgängerunterführung zum überdeckten Bahnsteig der Gleise 2 nach dem Engadin und 3 nach Davos gebaut. Die Gleisanlage vom Bahnhof bis zum Tunnel vor dem bekannten Landwasserviadukt wurde erneuert und doppelspurig gebaut. Der Bahnhofsplatz und das Bahnhofsgebäude wurden erneuert und erweitert.